Yoga-Philosophie - Bhagavad Gita

Yoga-Philosophie - Bhagavad Gita

„Sich lösend von der Außenwelt, zügelnd Denken, Sinne und Tun.“ (Bhagavad Gita)

Zwischen dem fünften und dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstand die Bhagavad Gita, der „Gesang Gottes“, ein spirituelles Gedicht indischen Ursprungs. Diese zentrale Schrift des Hinduismus gibt in den Kapitelüberschriften jeweils eine Form des Yoga an und illustriert in faszinierenden, bildhaften Darstellungen die philosophisch-religiösen Hintergründe des Yoga.

So wird vom Körper als Wagen erzählt, in dem die Seele als Fahrgast von der Vernunft durch das Leben geführt wird.
Die fünf Pferde, also unsere fünf Sinnesorgane, werden vom Kutscher mit Hilfe der Zügel des Denkens über Wege aus Objekten gelenkt – das Geschirr der Rösser wird im Indischen mit “Yoga” bezeichnet. Der 15. Gesang der Bhagavad Gita wiederum bebildert das Yoga des Höchsten Geistes mit einem Baum, der ohne Anfang und ohne Ende im Himmel wurzelt. Um den unbeweglichen Geist zu erreichen, müssen erst die Triebe, Äste und die feste Wurzel der Sinnesdinge mit dem „Beil des Gleichmuts“ gefällt werden.

Abgesehen von den ältesten Aufzeichnungen über Yoga in den Upanishaden gilt das ebenso bilderreiche Yoga-Sutra des Patanjali als wichtigster Quelltext des Yoga. Der Gelehrte, den die indische Mythologie als Inkarnation des Schlangenkönigs Shesha sieht, beschreibt die Reise mit dem Ziel der völligen Ruhe des Geistes als Weg mit acht untrennbaren Gliedern. Dieser Yogaweg führt von der Meditation (Dhyana) über Konzentration (Dharana) zur Ekstase (Samadhi) und Verwirklichung des höheren Selbst durch Versenkung. Kraft für die Reise geben die körperliche Disziplin der Asana, die mentale Disziplin der Beherrschung des Atems, der Pranayama, und die Disziplin der Sinne (Pratyahara).

Gepflastert ist dieser Weg durch Moral und Ethik (Yama) sowie Selbstdisziplin (Niyama). Wer vom Weg abkommt und Samadhi nicht erreicht, findet Trost in den hinduistischen Wurzeln des Yoga. Durch den Glauben an die Reinkarnation ist nach der klassischen Yoga-Philosophie keiner auf immer verloren, sie gibt jedem eine weitere Chance, da „der Geist oft so schwer zu zügeln ist wie der Wind.“ (Bhagavad Gita)